Grüner Wasserstoff als Chance für eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Europa und Afrika

Bei der Entwicklung einer grünen Wasserstoffwirtschaft wollen wir eine enge Zusammenarbeit mit unseren afrikanischen Partnern. Denn einige Länder unseres Nachbarkontinents sind aufgrund ihres Wind- und Sonnenreichtums ideale Produktions- und damit interessante Investitionsstandorte. Aus Sicht unserer Projektgruppe „Afrika-Partnerschaften“ bieten sich hier auf beiden Seiten große Chancen - sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung als auch den Klimaschutz.

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Ein Plädoyer der Bundestagsabgeordneten Sybille Benning (CDU), Marc Biadacz (CDU), Thomas Erndl (CSU), Mark Helfrich (CDU), Marc Henrichmann (CDU), Markus Koob (CDU), Carsten Müller (CDU), Stefan Rouenhoff (CDU), Dr. Wolfgang Stefinger (CSU), Felix Schreiner (CDU), Peter Stein (CDU) und Anja Weisgerber (CSU) für eine klimaneutrale Volkswirtschaft mithilfe neuer Technologien und einer veränderten Entwicklungszusammenarbeit


Die Corona-Pandemie hat unserer Wirtschaft und Gesellschaft einen schweren Schlag zugefügt. Unterbrochene Lieferketten, wirtschaftlicher Stillstand, steigende Unternehmensinsolvenzen: Die aktuelle Krise zeigt die Verletzbarkeit vernetzter Volkswirtschaften.


Die Entwicklungen der vergangenen Wochen werfen die Frage auf, wie wir uns besser gegen globale Krisen schützen können. Müssen wir unser Wirtschaften überdenken? Brauchen wir eine Regionalisierung oder gar Re-Nationalisierung der Produktion? Ist die Corona-Krise der Sargnagel für den Multilateralismus und internationale Organisationen? Wenn wir unseren Blick auf die Klima- und Energiepolitik richten, so ist die Antwort eindeutig: Wir brauchen eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und nicht weniger davon. Und wir brauchen ein verändertes Wirtschaften, eine systematische Dekarbonisierung der Volkswirtschaften weltweit.


Der Klimaschutz gehört zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Und wie für die Corona-Krise gilt: Wir sollten die Auswirkungen des Klimawandels nicht unterschätzen, die Risiken nicht kleinreden und keine wertvolle Zeit verlieren, um das Geschehen nicht unbeherrschbar werden zu lassen.


Für Deutschland ist heute schon klar: Wir werden unsere nationalen Klimaziele nicht allein durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien im eigenen Land erreichen – auch wenn dies von einzelnen Parteien im Deutschen Bundestag unentwegt propagiert wird. Wir brauchen vielmehr neue Denkansätze, Technologieoffenheit und mehr Mut zu internationalen Kooperationen in der Klima und Energiepolitik, um die anstehenden globalen Herausforderungen zu bewältigen.


Power-to-X-Technologien eröffnen hier ganz neue Chancen. Sie erlauben es, aus Windkraft und Photovoltaik flüssige oder gasförmige „grüne“ Energieträger im Großmaßstab herzustellen. Ihr Einsatz kann einen zentralen Beitrag zur Dekarbonisierung des Industrie-, Verkehrs- und Gebäudesektors leisten. Große Hoffnungen ruhen vor allem auf dem sog. „grünen“ Wasserstoff. Um diesen zum Wegbereiter einer globalen Energiewende (global energy transition) zu machen und unsere ambitionierten Klimaziele zu erreichen, brauchen wir mehr Dynamik und Tempo.


Die Bundesregierung muss ihre Wasserstoffstrategie endlich auf den Weg bringen, um ein klares Signal in die Welt auszusenden. Wir wollen eine führende Rolle bei der Entwicklung einer grünen Wasserstoffwirtschaft einnehmen. Dazu brauchen wir einen Wasserstoffbeauftragten der Bundesregierung, der den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft einschließlich Transportinfrastruktur nach innen koordiniert und bündelt und nach außen aktiv umsetzt. Und wir brauchen eine Anpassung des regulatorischen Rahmens in der Europäischen Union und Deutschland, um deutliche Anreize für einen schnellen industriellen Hochlauf einer grünen Wasserstoffwirtschaft zu setzen. Die Befreiung der Produktion grünen Wasserstoffs von der EEG-Umlage wäre hier ein erster wichtiger und symbolträchtiger Schritt.


Mit den richtigen wirtschaftlichen Anreizen können private Investitionen in den Wasserstoffmarkt geleitet werden – Investitionen in eine Zukunftsbranche, die die industrielle Basis unseres Landes sichern und neue Wachstumsimpulse aussenden. Genau hierauf wird es nach der Überwindung der Corona-Krise ankommen. Die deutsche Wirtschaft steht jedenfalls steht in den Startlöchern und verfügt über das notwendige Know-How, die grüne Wasserstoffproduktion im Großformat auszurollen.


Beim Aufbau einer grünen Wasserstoffproduktion sollten wir unseren Blick vor allem auf afrikanische Staaten richten. Einige Länder unseres Nachbarkontinents sind aufgrund ihres Wind- und Sonnenreichtums sowie ihrer relativen Nähe zu Europa besonders interessante Investitionsstandorte. Schon jetzt investieren diese selbst in größerem Umfang in den Ausbau erneuerbarer Energien für die lokale Stromerzeugung. Auch vor dem Hintergrund der globalen Klimaschutzziele und Sustainable Development Goals (SDGs) sind sie damit unsere natürlichen Partner für künftige Energieimporte von grünem Wasserstoff. Mit einem gemeinsamen Aufbau einer Wasserstoffindustrie haben Europa und Deutschland jetzt die Chance, ihr Interesse an einer Partnerschaft auf Augenhöhe mit afrikanischen Staaten unter Beweis zu stellen.


Dazu müssen wir in Europa aber auch bei uns wirtschafts- und entwicklungspolitische Eitelkeiten überwinden, die Fähigkeiten des Wirtschafts- und Entwicklungsministeriums bündeln und konzertiert einsetzen. Und wir brauchen einen hochrangigen engen Dialog mit unseren afrikanischen Partnern, der die Ernsthaftigkeit unseres Vorhabens unterstreicht und eine gemeinsame Projektentwicklung in den Vordergrund rückt. Denn der von europäischen und afrikanischen Staaten gemeinsam forcierte Aufbau einer grünen Wasserstoffproduktion liegt im gegenseitigen Interesse. Während die Europäische Union und Deutschland ihren CO2-Auststoß weiter reduzieren und bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral werden müssen, benötigen afrikanische Staaten eine beschleunigte wirtschaftliche Entwicklung und neue Jobperspektiven, die ihnen die Wasserstoffwirtschaft bietet. Der durch die Corona-Krise auch in Afrika zu erwartende Wegfall von Arbeitsplätzen wird ausländische Direktinvestitionen und eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit in der grünen Wasserstoffproduktion umso notwendiger machen.


Auch deshalb ist es so entscheidend, dass Deutschland das Power-to-X-Referenzprojekt mit Marokko mit Nachdruck vorantreibt und schnell weitere Schritte auch in anderen Ländern folgen.


Die Corona-Krise sollte uns nicht den Blick auf bevorstehende Herausforderungen in der Klimapolitik versperren, sondern vielmehr die Augen öffnen: Es wird höchste Zeit, die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft mit Nachdruck voranzutreiben sowie neue und langfristige Partnerschaften mit unseren afrikanischen Nachbarn auf den Weg zu bringen – im Interesse von Klimaschutz und wirtschaftlicher Entwicklung. Packen wir es an.